Donnerstag, 23. April 2015

Als der pfeifende Jakob uns besuchen kam

Im Artikel "Stell Dir vor du kriegst ne Zusage von der KiTa ..." hatten wir ja schon Mal von einem "Terminvorschlag vom Jugendamt" gesprochen. Heute war dieser Termin. War ... naja ... nett (gemeint) ...

2 Schritte zurück: In Stuttgart ist es üblich, dass frische Eltern von der Stadt ein kleines Begrüßungsgeschenk für den Nachwuchs bekommt. Dabei kann man sich aussuchen, ob man das Geschenk bei einem Besuch überreicht bekommt oder sich zuschicken lässt (gut, man kann es auch abholen, aber das passt ja nun weder zu mir noch zu Kerstin ;-)). Nach bissl Hin und Her haben wir uns für den Termin entschieden (OK, wir waren zu faul den abzusagen), vor Allem auch, weil man laut dem Ankündigungsschreiben auch die Chance hatte nochmal ein paar Fragen zu stellen - eines meiner Hobbies.

Nun gut, heute war es dann soweit, das Jugendamt kommt uns besuchen. Generell hatte der uns besuchende eh schon einen schweren Stand - bei uns kamen die klassischen Gedanken hoch: Der will doch nur gucken, ob wir das Kind auch ja nicht schlagen ! Und was soll ich sagen - ich hatte ne Verabredung mit den Kollegen auf dem Wasen, viel Zeit hatte ich also auch nicht.

Ab jetzt wirds vielleicht bissl langatmig, aber man muss sich in die Situation reinversetzen:

[ES KLINGELT] Ich geh ran "hallo ?" - "Ja hallo, Jakob vom Jugendamt hier" - "hallo, kommen sie rein". So, aus der Erfahrung nach fast 7 Jahren in dieser Wohnung hat man ja ein grobes Gefühl, wie lange man für die überschaubare Anzahl Stufen zu uns hoch so braucht. Da gibts auch Unterschiede zw. dem klassischen Inder, der die Pizza bringt, dem DHL Boten, dem DHL Ferienjobber (der sich seinen Platz im Geschwindigkeits-Ranking mit dem Hermes Boten teilt) und den Freunden. Jakob hat da klar seinen eigenen Platz - seine eigene Liga. Naja, man muss ihm anrechnen, dass er die Hausnummer gefunden hat - was ihn wieder vom Pizza-Inder unterscheidet.

Gut, ich hatte mich in der Zwischenzeit davon verabschiedet pünktlich auf dem Wasen zu sein. Musste mich ja auch noch umziehen, da ich dachte, dass der Vater in Lederhose bestimmt weniger gut ankommen würde. Also, Jakob hatte den Weg pfeifender Weise geschafft - Sami war dann in der Zwischenzeit auch wieder 1cm größer - und es sich bei uns am Esstisch gemütlich gemacht. Die Frage, ob er ein Getränk wolle hat er fix mit "Wasser" beantwortet - ich ahnte langsam, dass ein Kaffee oder Espresso deutlich besser wäre.

Meine Gedanken drehten sich um "Jetzt will er bestimmt gleich die Wohnung sehen" - wenngleich sich auch der Verdacht festsetzte, dass unser lieber Jakob nur noch einmal aufstehen möchte - wenn er geht. Er wollte also weder die Wohnung noch Sami noch sonst was sehen und kam direkt zum Geschenk - bzw. den Geschenken. Zum einen gab es ein knallgelbes Babyhandtuch mit dem Stuttgarter Wappen drauf. Zum anderen gab es das Elternbegleitbuch - grandios. "Eine Ansammlung von nützlichen Hinweisen für frisch gebackene Eltern" beschrieb es Jakob während er nach dem wichtigsten Inhalt überhaupt in diesem Ordner suchte. In der Zeit seiner Suche hätte er es wohl tatsächlich auch geschafft unsere Treppen zu bewältigen - aber das ist natürlich nur getippt. Nach längerem Blättern fand er dann also ...

DIE TELEFONNUMMER VOM JUGENDAMT

Wie froh ich war, da ich diese tatsächlich noch nicht hatte. Moment ... ich hab ja schon die Vaterschaft und das Sorgerecht beim Jugendamt anerkennen lassen und auch schon den KiTa Platz beantragt ... und diesen sogar schon bestätigt bekommen. Aber egal, die Nummer vom Jugendamt im Elternbegleitbuch zu wissen beruhigt einfach ungemein.

"Man kann sich dann noch monatliche Updates schicken lassen, wenn man mag" sagt Jakob. Nach seinen bisher so wichtigen und hilfreichen Ausführungen war ich hier nun sehr interessiert. "Und was steht da so drin ? Aktuelle Angebote in Stuttgart - so Theater und sowas ?" fragte ich. "Nein" sagte Jakob "das eher nicht. Sie bekommen auf ihr Kind zugeschnittene Informationen zur Entwicklung ihres Kindes." Damit hatte er mich. Wenn ich mal wieder viel arbeiten muss und Sami nicht sehen kann, schaue ich einfach in den Newsletter der Stadt Stuttgart - die wissen wie mein Kind entwickelt ist.

"Kommt das dann per E-Mail ?" fragte ich neugierig. "Puuh, ich glaub nicht, dass das geht." schnaufte Jakob, immernoch sichtlich erschöpft von den Treppen. "Aber sie können sich das auch noch in Ruhe überlegen und später entscheiden." fügte er an. Diese Option nahmen wir dankend an.

Damit hatte Jakob alles gesagt, was er sagen wollte (oder sollte) und fragte uns zum Abschluss nach Fragen unsererseits. "Naja, Fragen nicht." sagte Kerstin, "aber wir hätten da ein wenig Feedback." "Feedback, nach dem kurzen Gespräch ? Wir kennen uns doch kaum !" stand in Jakobs Gesicht geschrieben. Völlig überrascht erwiderte er "OK". "Der Termin hätte uns in der Schwangerschaft viel mehr geholfen. Wir hatten so viele Fragen zur Vaterschaftsanerkennung, dem Elterngeld, dem KiTa Platz, generell den ganzen Anträgen und und und, da hätten wir einen solchen Termin gebraucht."

"OK, ich kann das ja mal mitnehmen" antwortet Jakob, sichtlich erfreut, dass er diese Frage heute nicht beantworten musste.

Das Wasserglas war noch voll, als sich Jakob auf den Heimweg machte - mit dem guten Gewissen wieder ein Elternpaar mit vielen nützlichen Informationen auf den Weg des "Eltern-Seins" vorbereitet zu haben ...

... und ich kam doch noch pünktlich auf den Wasen - die Maß konnte ich jetzt auch gut gebrauchen.

Anm.d.Red.:Namen willkürlich geändert - oder auch nicht ;-)

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